Wenn Liebe keimt

Liebe berührt jeden. Liebe wünscht sich jeder. Liebe hat so unheimlich viele Facetten.  Sie wird oft in Songs gehuldigt und es gibt viel über Liebe zu lesen. Ich fragte einst meine Mutter: wie erkenne ich, ob ich jemanden liebe? darauf meinte sie… wenn Du bereit bist alles aufzugeben und nur noch für ihn da zu sein.  Meine Tochter frage mich neulich: kann unsre Liebe ewig dauern? Darauf habe ich geantwortet: wenn Ihr das beide wollt und Ihr mit eurer Liebe wachst… wird sie mit euch sein, ein Leben lang.

Wenn Liebe keimt 

Liebe wird sehr oft mit Verliebt sein verwechselt. das ist natürlich ein sehr schönes Gefühl. Man fühlt sich wie im siebten Himmel und spürt Schmetterlinge im Bauch, doch all zu oft vergeht dieser Rausch und es bleiben nur noch ein paar Spuren davon.

Doch wenn wir den Keim der Liebe setzen, brauchen wir ein wenig Geduld. Denn dieser Keim entwickelt sich zunächst im Verborgenen, im Schutz der Erde. er wird genährt durch die Wärme und ein wenig Wasser und zeigt trotz aller Bemühungen eine, zwei Wochen oder im Extremfall ein paar Monaten keine Reaktion. Wir bemühen uns und überlegen uns, doch es passiert scheinbar gar nichts.

Viele werde dabei ungeduldig, oder geben gar auf, andere bemerken diesen Keim der Liebe gar nicht erst. Doch plötzlich geschieht etwas wunderbares. es zeigt sich das erste Grün. So ein wunderbares, zartes grün. Der Anfang ist gemacht, es zeigt sich ein Ergebnis.  Wenn wir behutsam mit dem Pflänzchen der Liebe umgehen, sie schützen, nähren, von Unkraut befreien, wird sie gedeihen, und  ein paar Blätter ausbilden.  Wenn wir weiter so verfahren, wird schon bald ein kleines Bäumchen daraus werden. Die Liebe hat  viel an Gestalt angenommen, das Erlebte wird zu einem bunten Bilderbuch der Liebe.

Doch der erste Winter steht vor der Tür. es wird bitter kalt, das Laub ist längst abgeworfen. Ein eisiger Wind schüttelt das noch zarte Bäumchen durch. So ist es auch mit der Liebe.  es kommt der Tag, ein Ereignis, das die Liebe erstarren lässt, ganz unverhofft, wie aus dem Nichts. Doch das Schweigen ist da.  Es scheint unausweichlich.

Doch irgendwann ist auch der kälteste Winter vorbei. Die Kraft der Frühlingssonne vertreibt die letzten Spuren der kargen Zeit. Der Baum treibt wieder neue Blätter und er ist mächtig gewachsen.  So findet auch die Liebe wieder neue Kraft zu erblühen, wir müssen ja nur unser  Herz öffnen.

Das ist eben die Kunst der Liebe, dahinter zu sehen, wenn etwas geschieht, was nicht so schön ist.

Das passiert, auch wenn wir noch so sehr lieben. Es ist weise, viel zu lernen über die Liebe. Die sehr persönliche Liebe ist anders wie die unpersönliche Liebe. Doch jede Art von Liebe findet ihre größte Vollendung in der bedingungslosen Art zu lieben. Das kann sein was es mag.  So ist auch unser Baum, der inzwischen schon mächtig herangewachsen ist, und dem der kalte Winter nichts mehr anhaben kann. Dieser Baum ist bedingungslose Liebe. Er spendet Schatten, gibt Früchte, schenkt Ruhe, Frieden und Kraft. Er spendet sogar Lebensraum für allerlei Getier.  Er wird geliebt von so vielen, und doch gibt er all das bereitwillig hin, ohne jemals etwas dafür zu verlangen.  Selbst wenn er gefällt wird, gibt er noch.  Er wird zu einem schönen Schrank oder Bett, und spendet so Ruhe und Geborgenheit. Ein Teil davon wärmt die Stube im Winter. Oder er wird als Sarg zu einem letzten Geleit.

Dieser Baum ist der Inbegriff bedingungsloser Liebe. Er gibt alles, sein Leben lang, ob er nun dafür beachtet wird oder nicht.  Für mich ist diese Liebe ein ganz großes lebendes Beispiel an das ich mich gerne mal anlehne.

In Liebe,

Gabriele Odenthal

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*